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Theatertage am KGA – zweiter Tag: 20.07.17
25.07.2017 07.38 Uhr


TuF arrangiert Elias Canettis „Die Befristeten“ neu

Am Donnerstagabend setzte sich der Oberstufenkurs Theater und Film mit einem bedrückenden und ernsthaften Thema auseinander. In einer fiktiven Gesellschaft in einem fiktiven Land herrscht die „Diktatur des Augenblicks“. Alle wissen von Geburt an, wann sie sterben werden. Überwacht und gelenkt wird dieses autoritäre System vom übermächtigen Kapselan, der die positive Seite dieser Gesellschaft bedingungslos propagiert: Niemand muss sich vor Verbrechen, Gewalt, Unfällen, Krankheiten oder anderen Unwägbarkeiten des Lebens fürchten. Obwohl jeder Mensch von Anfang an den genauen Zeitpunkt seines Todes kennt, beschäftigt sich das Stück mit den Konsequenzen, die solch ein Wissen für das Individuum und die Gesellschaft hat. Manche wägen sich in Sicherheit, andere zweifeln. Der Kurs hat Canettis strenges Thesenstück als Steinbruch genutzt, um einen eigenen Handlungsverlauf zu entwickeln, in dem 5o und ihre Freundin 42, das System kritisch hinterfragen und 50 letztendlich scheitern lässt. Viele haben sich sicherlich eine positive Wendung erhofft, die auch Canettis Original beschreibt. Dennoch hat sich der Kurs für ein alternatives Ende entschieden:  die Geschichte als auch die derzeit aktuelle Realität zeigen, dass autoritäre und undemokratische Systeme trotz vieler Ein – und Widerstände weiterbestehen. Daher  bedarf es vieler Personen wie 50, 42, 100 und anderen, die sich gegen Unrechtsstaaten wehren – selbst, wenn sie dabei ihr Leben lassen.

Das Stück beantwortet keine Fragen, sondern wirft solche auf, so dass viele Zuschauer die Aufführung nachdenklich verlassen und hoffen, dass es auf der Welt viele Menschen wie 50 gibt oder zu 50 werden, um  letztendlich ihr Ziel zu erreichen.

Ich danke dem Kurs für die emotionsstarke Inszenierung,  allen für ihre souveräne, ausdrucksvolle und publikumswirksame Spielweise, die sich auf einem sehr hohen spielerischen Niveau bewegte.

Tosender Applaus belohnte eure intensive Probenarbeit. Auch ich freue mich über euren Erfolg, denn eure Darbietung war wirklich grandios! Lange und herzlich werde ich mich an unser gemeinsames Jahr und die Zeit der Sporthallen WG – zusammen mit dem Technik Team, ohne die diese Inszenierung nicht möglich gewesen wäre – erinnern. DANKE!
Voller Freude schaue ich auf das kommende Schuljahr: Wie wäre es mal mit einer Komödie?

Ute Massow


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