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Gr Studienfahrt nach Griechenland 2017
16.05.2017 22.41 Uhr


Reisebericht über die diesjährige Studienfahrt in die Alte Welt


„Unter allen Völkerschaften haben die Griechen den Traum des Lebens am schönsten geträumt.“
(Johann Wolfgang von Goethe)

Um diese im Griechischunterricht schon oft bestätigte Einsicht endlich einmal mit allen Sinnen zu erfahren, unternahmen wir „Griechen“ der 10. und 11. Jahrgangsstufe zusammen mit Frau Dr. Schmale und Herrn Kadatz in diesem Jahr eine Studienfahrt nach Griechenland.
So trafen wir uns am Sonntag, dem 2. April, im Morgengrauen am Frankfurter Flughafen, von wo aus uns die Lufthansa sicher nach Athen brachte. Unsere Unterkunft, das Hotel Athens Choice, war zentral gelegen und erwies sich als zweckmäßig, sodass es sich dort die kommenden fünf Tage recht gut aushalten ließ. Gleich nach unserer Ankunft unternahmen wir gemeinsam eine erste Stadterkundung, bei der sich Athen in all seinen Facetten und Eigenheiten einer Großstadt zeigte. Wir trotzten jedoch dem Straßengewirr und der äußerst großzügigen Einstellung sämtlicher Verkehrsteilnehmer gegenüber Ampelphasen und erklommen den Lykabettos, von dessen Spitze sich uns dank der ungewohnt klaren Luft ein herrlicher Blick auf die Stadt und den Saronischen Golf bot. Der Abend führte uns in die 'Plaka', die Altstadt Athens, in der wir uns auf eigene Faust ad libitum verpflegen und so den Tag ausklingen lassen konnten.
Am folgenden Tag stand ein ausgedehnter archäologischer Stadtrundgang auf dem Programm, den wir auf dem Gelände der ehemaligen Agora, einstmals Marktplatz und Mittelpunkt der antiken Stadt, begannen. Besonders die Stätte des Gerichts und das Gefängnis, in dem Sokrates, wie wir ja aus der Lektüre von Platons Kriton alle wussten, auf seine Hinrichtung zu warten hatte, beeindruckten dort. Daraufhin bestiegen wir wieder einen Berg, heute den Areopag, der in der Antike Sitz des obersten Gerichtes der Polis war, und immer noch ein beliebter Treffpunkt für die jugendliche Bevölkerung Athens zu sein scheint, wovon auch deren zahlreiche Hinterlassenschaften eindrucksvoll Zeugnis ablegten. Im Anschluss daran fanden wir uns beim Akropolismuseum - ein architektonisches und natürlich auch archäologisches Highlight Athens - ein, dessen Besichtigung uns auf den Höhepunkt des Tages vorbereiten und nötiges Hintergrundwissen liefern sollte. Nachdem wir dann den Erwerb von Eintrittskarten wider alle Hoffnung gemeistert hatten, war es endlich so weit: Wir durchschritten andächtig die Propyläen und betraten das politisch-religiöse Zentrum des antiken  Athen und bewunderten den Parthenontempel und all die anderen seit Jahrtausenden bereits Kultstatus genießenden Bauwerke. Von der Erhabenheit dieses Ortes schwer beeindruckt, machten wir uns dennoch schließlich wieder an den Abstieg, ohne dabei das am Fuße des Felsens gelegene Dionysostheater, die Geburtsstätte der antiken Tragödie, zu vernachlässigen. Zum Abschluss des Tages besuchten wir das Archäologische Nationalmuseum, das vor allem dank der ausgestellten Funde Heinrich Schliemanns sehenswert ist. Von diesen strapaziösen Kulturgenüssen konnten und mussten wir uns aber im Anschluss erholen, da uns der Rest des Abends zur freien Verfügung stand.
Tags darauf führte uns eine erste längere Busfahrt nach Delphi, was wegen des dort beheimateten  Apollonorakels einer der größten Besuchermagneten des antiken Griechenlands war und angesichts der zahllosen Touristen offenbar immer noch ist. Wir spazierten auf den Resten der heiligen Straße bis zum Tempel des Apollon, dem Herzstück des heiligen Bezirks, in dem die berühmte Pythia residierte, durch deren Mund der Gott sich jahrhundertelang vernehmen ließ. Wir genossen die malerische Landschaft des Parnass und mit Blick auf den Omphalos das Gefühl, uns am Mittelpunkt der Welt zu befinden. Schließlich ging es talabwärts zum Heiligtum der Athena Pronaia, das heutzutage jedoch fast nur aus mehr oder weniger geordnet herumliegenden Steinen besteht, ein Anblick, der sich uns auf dieser Studienfahrt noch des öfteren bieten sollte. Nach der Heimfahrt blieb die restliche Gestaltung des Abends wieder uns selbst überlassen.
Am nun folgenden Mittwoch war die Insel Ägina unser Ziel. Nach einem in großer Hast eingenommenen Frühstück fanden wir uns eilends  im Piräus, dem Hafen Athens, ein, nur um dann festzustellen, dass unsere Fähre erst in zwei Stunden auslaufen würde. Irgendwann erbarmte sich doch noch jemand unser und wir setzten nach Ägina über. Dort bestaunten wir zunächst den Tempel der Aphaia, der wunderschön gelegen ist und von seiner Anhöhe aus einen prächtigen Ausblick über einen großen Teil des Golfes bis zur Küste des Festlandes von Athen bietet. Anschließend unternahmen wir einen Abstecher nach Paläochora, der mittelalterlichen Inselhauptstadt, von der aber nur noch über die Hügel verstreute Ruinen übrig geblieben sind. Bis zur Abfahrt der Fähre dann nutzten einige Wagemutige die freie Zeit zu einem Bad, die Besonneneren aber zu einem Spaziergang entlang der Strandpromenade. Am Abend zurück in Athen ließen wir den Tag in diversen Tavernen noch einmal Revue passieren.
Einen nicht unbeträchtlichen Teil des letzten Studientages verbrachten wir notgedrungen wieder im Bus. Auf unserem Weg nach Mykene passierten wir den berühmten Kanal von Korinth, der den  Isthmos, die schmale Verbindung zwischen griechischem Festland und der Peloponnes, durchschneidet. In Mykene angekommen, machten wir uns sogleich daran, die auf einer Anhöhe thronende Burg zu erstürmen, wobei wir uns beim Durchschreiten des Löwentores eines ehrfürchtigen Staunens nicht erwehren konnten. Im Inneren der Anlage stießen wir auf die Überreste des Palastes, der angeblich von dem mythischen Paar Agamemnon und Klytaimnestra bewohnt worden war, und auf eine mehrere Meter unter der Erde verborgene Zisterne, wo einige von uns beinahe in den Untiefen der Welt verloren gegangen wären. Nachdem wir schließlich doch alle wieder heil ans Tageslicht gelangt waren, fuhren wir ins nahe Nauplia, welches im 19. Jahrhundert für wenige Jahre die Hauptstadt des Landes gewesen war, um dort in den Cafés an der Uferpromenade eine angemessene mittägliche Rast einzulegen. Danach machten wir uns auf nach Epidauros, in die Kultstätte des Asklepios, dem bedeutendsten Klinikzentrum der Antike. Nach einer kurzen Einführung in die Prinzipien antiker Medizin und dem Museumsbesuch schlenderten wir durch die Kuranlagen, nutzten das Stadion für einen etwas verkürzten Stadionlauf und beendeten unsere Studien offiziell im Theater, das vor allem für seine ausgezeichnete Akustik bekannt ist. Angesichts des großen Besucherandrangs hielt sich unsere Lust, eine akustische Probe aufs Exempel zu machen allerdings in Grenzen. Außerdem fühlten wir uns ja alle frisch und gesund, eine Maßnahme schien zu dem Zeitpunkt also nicht erforderlich.
Der Flug nach Frankfurt am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe verlief ohne Zwischenfälle, wenn auch in fragwürdigem Zustand der Teilnehmer, brachte aber die zeitweise verlorenen Söhne und Töchter wohlbehalten nach Aschaffenburg zurück. So bleibt nur noch, Frau Dr. Schmale und Herrn Kadatz für die gelungene und ungemein bildende Reise zu danken.    

Wilhelm Gatzmaga, Q 11
 
 
   


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